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Unsere Schule als Teil des
Bildungszentrums
Dr. Roland Hepting
Unser Bildungszentrum ist eine „Kooperative“ oder „Additive Gesamtschule“, die 1970/71 als Modellschule unseres Landes Baden-Württemberg
eingerichtet wurde. Mit der „Hauptschule mit Werkrealschule“ und dem „Gymnasium“ vertreten wir in unserem Hause alle drei weiterführenden Schularten. Die Schülerzahlen liegen derzeit (gerundet) bei
350 (HS&WRS), 800 (RS) und 900 Schülern (GY) - somit also gesamt bei knapp über 2000 Schülern.
Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er Jahre erreichte das Bildungszentrum die höchste Schülerzahl. Damals hatte die Hauptschule etwa 900 Schüler,
die Realschule und das Gymnasium jeweils fast 1000 Schüler.
Bezüglich der Schulträgerschaft haben wir einen besonderen Status. In der Regel ist für weiterführende allgemein bildende Schulen die Gemeinde der
Schulträger, bei uns ist es jedoch das Landratsamt Bodenseekreis in Friedrichshafen. Diese Gegebenheit ist in der Historie unseres Schulzentrums begründet.
Als derzeitiger Koordinierender Schulleiter kann ich mich sehr positiv über diese Trägerschaft äußern, da wir – angefangen mit unserem Landrat
Lothar Wölfle und konkret betreut vor Ort durch seinen Mitarbeiter Michael Sterk – ein hohes Maß an Unterstützung erfahren.
Das Profil unserer Schule
Selbstverständlich setzen wir die Ziele und Inhalte des Bildungsplanes und seiner Fachlehrpläne aus dem Jahr 2004 um, so wie das alle staatlichen
Schulen als ihren Auftrag sehen.
Entscheidend ist für mich als Schulleiter, wie wir diesen Auftrag im Unterricht, in den 45 Minuten dauernden Stunden, verwirklichen. Hier sehe ich mich
als Schulleiter gefordert, denn „der Schulleiter ist der Motor der Schulentwicklung vor Ort“.
Als Experten für das Lernen müssen wir Lehrer über eine qualifizierte Methodik verfügen, so dass unsere Schüler in unserem Unterricht erfolgreich lernen können. Wir dürfen uns nicht mehr als Lehrer und Belehrer verstehen, sondern vielmehr als Lernbegleiter, Organisator und Initiator von Lernprozessen. Das Unterrichten, das „Richten unserer Schüler auf unsere Lernziele“ hin ist überholt, vielmehr schaffen und gestalten wir für unsere Lerner eine für sie anregende Lernumgebung, die sich in Materialien, Frage- und Problemstellungen …, die wir bereitstellen, zeigt. Um dies zu leisten, und dass dies bei uns Lehrern im Schulalltag überhaupt gelingen kann, müssen wir eben diesen „Paradigmenwechsel“ vornehmen, was heißt:
Wir müssen weg von unserer „Belehrungssucht“, die manche immer noch pflegen, wir müssen unseren Schülern mehr Eigenverantwortung übertragen,
dass sie selbst erfolgreich lernen können, zumal sie ja für ihr Lernen selbst verantwortlich sind. Fazit: „Unsere Schüler müssen ihr Wissen in hohem Maße selbst konstruieren, wir dürfen sie nicht
ausschließlich instruieren“!
Die Lernpsychologie und die Gehirnforschung bieten uns wichtige Informationen und Grundlagen dafür, dass und wie dies gelingen kann, dass jeder Schüler
individuell und eigenaktiv zu seinem Wissen gelangt. Wenn wir dann noch den partnerschaftlichen Austausch mit dem Mitschüler in den Lernprozess integrieren, dann haben wir Lernarragements, die letztlich zu einem
vernetzten und nachhaltigen Wissen führen.
Wir sind als Kollegium auf dem Weg, diese aktuellen Überlegungen bzw. diesen zeitgemäßen LERNBEGRIFF in unserem Schulalltag umzusetzen, um so ein
kompetenzorientiertes Lernen zu ermöglichen – wie dies auch im Bildungsplan vorgegeben ist!
Schulentwicklung
Wie gestaltet sich unseren Weg, den wir inzwischen eingeschlagen haben und den wir stetig weiter gehen?
Vor einigen Jahren haben wir unter der Bezeichnung „Markdorfer Modell“
ein Schulentwicklungsprojekt ins Leben gerufen. In einer siebten Klasse hat ein Team von Kolleginnen und Kollegen mit zeitgemäßen Methoden über ein Jahr hinweg gearbeitet, hat sich selbst in der Methodik fortgebildet. Im Mittelpunkt - und bezogen auf unsere Vorstellungen über unseren „Lernbegriff“ - stand das Lernkonzept des „Wechselseitigen Lehrens und Lernens“ (Abk. „WELL“), das drei Psychologen an der Pädagogischen Hochschule theoriegeleitet entwickelt haben.
Bedingt durch meine Zusammenarbeit mit den Lernpsychologen an der Hochschule in Weingarten und meine tiefe Überzeugung, dass wir unseren herkömmlichen
Unterricht verändern müssen, habe ich mir die Zeit genommen, dieses Projekt auszuwerten und mit seinen Ergebnissen in einem Buch zusammen zu fassen. Auch ist es mir gelungen, mit meinem Kollegen Erwin Niederer als
Kameramann eine CD zusammenzustellen, in der wir 10 Methodenbeispiele schüleraktiven Lernens gefilmt und didaktisch aufbereitet haben.
Dieses Projekt hat Spuren hinterlassen, was auch so beabsichtigt war, denn - immer mehr Kolleginnen und Kollegen verinnerlichen diesen Lernbegriff des
schüleraktiven Lernens, immer mehr Klassenteams finden sich zusammen, die in enger Absprache untereinander mit ihren Schülern gleichermaßen Lernen und die Lernzeit gestalten und so erfolgreich sind.
Ganz aktuell haben wir unter der Bezeichnung „Markdorfer Fortbildungskonzept zur Professionalisierung im Lehrerberuf“
zum Ende des vergangenen Schuljahres begonnen, uns in unserem Handeln weiter zu verbessern. Unterstützung bekommen wir wieder einmal von Professor Dr. Diethelm Wahl, dem Lernpsychologen an der PH Weingarten, der uns im Rahmen von Fortbildungsnachmittagen hilfreiche Informationen bietet. „Erfolgreich sein und noch besser werden im Tandem“, das ist unser Leitsatz, u. a. mit den Fragen, wie gestalten wir unsere gegenseitigen Unterrichtshospitationen, wie gehen wir miteinander um und tauschen uns konstruktiv aus, wie können wir unser Handeln verändern und verbessern, in welchen Schritten kann dies geschehen …?
Über 30 Kolleginnen und Kollegen, und zwar Freiwillige, sind auf dem Weg, diese Erfahrungen konkret für sich zu gewinnen, die sie möglicherweise so
überhaupt noch nie in ihrem beruflichen Leben gesammelt und erfahren haben.
Mich als Schulleiter stimmt dieses Projekt zuversichtlich, denn das Unternehmen „Schule“ muss in seiner Leistungsfähigkeit auf der Höhe der
Zeit sein, muss auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und Antworten finden. Wir, als Experten für Lernen,
wie ich auch eingangs schon formuliert habe, müssen mit unseren Schülern aus „veränderten Familien“ so arbeiten, dass wir jedem gerecht werden, also mit Heterogenität umgehen können. Wir müssen dabei unsere Eltern überzeugen – von unserer Lernmethodik, die wir alle in unserem Team, dem Kollegium unserer Schule, einsetzen.
Als Schulleiter blicke ich zuversichtlich in die Zukunft unserer Schule!
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